Die Datennetzwerk-Infrastruktur in Schweizer Gewerbe- und Wohnbauten entwickelt sich Mitte 2026 vom reinen IT-Backbone zur zentralen Voraussetzung für KNX-Anbindung, Energiemanagementsysteme und Smart-Building-Konzepte. Während Neubauprojekte häufig strukturierte Verkabelung mit Cat6a oder Cat7 vorsehen, kämpfen Bestandsbauten mit unzureichender Bandbreite und fehlender Abdeckung – ein Engpass, den Elektroinstallateure zunehmend adressieren müssen.
Konvergenz von Energie- und Datennetz
In der Schweiz treibt die Kombination aus PV-Einmalvergütung (administriert von Pronovo) und steigendem Smart-Building-Interesse die Nachfrage nach integrierten Installationen. Neubauten und Sanierungen koppeln die Elektroverteilung mit strukturierter Vernetzung: Feller AG bietet etwa seit 2025 kombinierte Montageträger für KNX-IP-Gateways und Ethernet-Switches an – ein Signal dafür, dass klassische 230-V-Verteilung und Dateninfrastruktur im Schaltschrank zusammenwachsen.
Parallel dazu wächst die Zahl der IP-basierten Endgeräte: Smart Meter mit Ethernet-Schnittstelle, PV-Wechselrichter mit Modbus-TCP, Wärmepumpen mit Cloud-Anbindung und Building-Management-Systeme mit PoE-Anforderung. Für Elektroinstallateure bedeutet das konkret: Wo früher ein 5-adriges NYM-Kabel genügte, steht heute ein Cat6a-Kabel auf der Stückliste – und die Frage nach Brandschutz, Verlegeklasse und Schirmung stellt sich neu.
Neue Akteure im Markt
Im Schweizer Großhandel verbreitern Hager Group und ABB ihre Angebotspalette um Netzwerk-Komponenten, die sich direkt für Elektroinstallateure eignen. Hager führt seit Frühjahr 2026 ein eigenes 19-Zoll-Patch-Panel-Programm, das speziell auf kleine Wohneinheiten und KMU zugeschnitten ist – inklusive grafischer Belegungspläne für Installateure ohne IT-Hintergrund. ABB setzt verstärkt auf PoE-Switches für Gebäudeautomation und bietet diese als Komplettsets mit Hutschienen-Montage an.
Auch traditionelle IT-Distributoren wie Phoenix Contact rücken mit industrietauglichen Ethernet-Switches und IP67-Steckverbindern in den Elektrogroßhandel vor. Diese Entwicklung senkt die Einstiegshürde für Elektrofachbetriebe, die bisher Datennetzwerk-Projekte an IT-Dienstleister weitergegeben haben.
Regulatorik und Normen
Die MuKEn 2014/2025 fordern zwar keine spezifische Datennetzwerk-Ausstattung, setzen jedoch indirekt Standards: Wer nach MuKEn Energiemonitoring, Lastabwurf oder automatisierte Lüftungssteuerung nachweisen muss, benötigt ein leistungsfähiges Netzwerk. In der Praxis bedeutet das: Jede Energieüberwachung über Energiemanagementsysteme setzt mindestens eine stabile Ethernet-Verbindung zum PV-Wechselrichter und zur Wärmepumpe voraus.
Zusätzlich orientieren sich Planer zunehmend an der SN EN 50173 (strukturierte Verkabelung), die für Büro- und Wohnbauten Mindestanforderungen an Bandbreite und Redundanz definiert. Installateure, die heute Cat5e verlegen, riskieren Nachbesserungskosten – Cat6a gilt inzwischen als Mindeststandard für Neuinstallationen mit 10-Gigabit-Perspektive.
Trends und Herausforderungen
Ein aktueller Engpass liegt in der Fachkräftesituation: Elektroinstallateure mit Netzwerk-Erfahrung sind rar, IT-Dienstleister kennen oft die VDE- und NIN-Anforderungen nicht. Worauf Installateure 2026 achten müssen, zeigt sich besonders bei der Schirmung von Kabeln in der Nähe von Frequenzumrichtern und PV-Wechselrichtern – hier führen fehlerhaft verlegte Datenleitungen zu Übertragungsausfällen.
Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach PoE+ (Power over Ethernet): WLAN-Access-Points, IP-Kameras und KNX-IP-Schnittstellen können zentral über das Netzwerkkabel versorgt werden – ein Vorteil, der den Installationsaufwand senkt, aber klare Anforderungen an Switch-Leistung und Kabelquerschnitt stellt.
Ausblick
Bis Ende 2026 dürfte der Schweizer Markt für Datennetzwerk-Komponenten in Gebäuden weiter wachsen. Treiber sind Smart-Metering-Rollouts, der Ausbau von PV-Anlagen mit Anbindung an Energiespeicher und die zunehmende Anforderung an Fernwartung und Monitoring. Für Elektroinstallateure lohnt sich die Investition in Weiterbildung: Wer strukturierte Verkabelung beherrscht, erschließt sich ein Geschäftsfeld mit vergleichsweise hohen Margen und geringer Preissensitivität – vorausgesetzt, die Installation erfüllt die Normen und bleibt zukunftssicher.
Parallel dazu rücken Kombilösungen in den Fokus: Installateure, die Elektroverteilung, KNX-Programmierung und Netzwerk-Infrastruktur aus einer Hand liefern, verschaffen sich Wettbewerbsvorteile gegenüber Einzelgewerken. Schneider Electric und andere Anbieter reagieren darauf mit Schulungsangeboten, die gezielt die Schnittstelle von Energie- und Datentechnik adressieren.