Der Schweizer Markt für E-Mobilität gewinnt Mitte 2026 weiter an Fahrt. Elektroinstallateure und Betreiber von Ladeinfrastruktur profitieren von technologischen Neuerungen, regulatorischen Rahmenbedingungen und einer steigenden Nachfrage nach intelligenter Ladesteuerung. Während die Zahl der Elektrofahrzeuge zunimmt, rücken Fragen nach der Netzintegration, der Abrechnung und der Kopplung mit Photovoltaikanlagen in den Vordergrund.

Technologische Entwicklungen: KI-gesteuerte Wallboxen und Flottenlösungen

KEBA Energy Automation hat seine Wallbox-Serie mit KI-basierter Ladesteuerung ausgerüstet. Die neuen Modelle optimieren die Ladeleistung in Abhängigkeit von PV-Überschuss, Netztarifen und Nutzungsmustern. Für Installateure bedeutet das: Anlagen lassen sich mit einem Energiemanagementsystem koppeln, ohne dass eine separate Steuereinheit nötig ist. Der Schweizer Markt reagiert auf solche Lösungen besonders, weil die Strompreisdifferenz zwischen Tag- und Nachttarif sowie zwischen Sommer- und Winterstrom die Wirtschaftlichkeit smarter Ladesteuerung erhöht.

Im Flottenbereich setzen ChargePoint und Ford Pro auf eine Kooperation für die Ladeinfrastruktur gewerblicher Fuhrparks. Die Integration von Fahrzeugdaten, Lademanagement und Abrechnungssoftware vereinfacht die Installation und den Betrieb von Ladeparks. Für Schweizer Installationsbetriebe, die im Gewerbe-Ladepark-Segment aktiv sind, eröffnen solche Partnerschaften neue Projektchancen.

Regulatorik und Förderlandschaft

Die Schweiz setzt weiterhin auf die Pronovo-Förderung für PV-Anlagen und hat die Rahmenbedingungen für die Netzeinspeisung aus Fahrzeugbatterien geschaffen. Bidirektionales Laden gewinnt dadurch an Bedeutung. Die technischen Anforderungen an den Potenzialausgleich und die Absicherung von Ladepunkten bleiben streng: Jeder Ladepunkt benötigt einen separaten Fehlerstromschutzschalter Typ B oder eine alternative DC-Fehlerstromerkennung.

Die kantonalen MuKEn-Vorschriften verschärfen die Anforderungen an Neubauten: In mehreren Kantonen ist die Vorinstallation von Ladeinfrastruktur bei Wohn- und Gewerbebauten Pflicht. Das treibt die Nachfrage nach Leerrohren, Zählerplätzen und Leistungsreserven in der Hauseinspeisung.

Marktakteure und Anbieter

Feller AG, der Schweizer Anbieter von Installationstechnik, erweitert sein Sortiment um Ladestationen für Wohn- und Gewerbebauten. Die Produkte lassen sich in die Feller-Schalterprogramme integrieren und bieten Zugriff auf lokale Service-Netzwerke. ABB und Schneider Electric bleiben mit ihren Terra- bzw. EVlink-Serien führend im öffentlichen und halböffentlichen Segment. Beide Anbieter haben Software-Updates ausgerollt, die eine dynamische Lastverteilung ohne zusätzliche Hardware ermöglichen.

BKW Energie, einer der größten Schweizer Energieversorger, baut sein Ladenetz aus und bietet Installateuren Partnermodelle für die Wartung und den Betrieb an. Die Zusammenarbeit zwischen Energieversorgern und Elektrobetrieben wird für beide Seiten attraktiver, da die Komplexität der Abrechnungs- und Backend-Systeme steigt.

Ausblick: Bidirektionales Laden und Netzstabilität

Die Diskussion um Vehicle-to-Grid (V2G) nimmt in der Schweiz Fahrt auf. Netzbetreiber prüfen Pilotprojekte, bei denen Elektrofahrzeuge als mobile Energiespeicher zur Netzstabilisierung beitragen. Für Installateure bedeutet das: Anlagen müssen technisch für bidirektionale Leistungsflüsse ausgelegt werden. Die Anforderungen an Messtechnik, Einspeisezähler und Kommunikationsprotokolle steigen.

Die enge Verzahnung von PV, Speicher und Ladeinfrastruktur wird zum Standard. Projekte, die Energiemanagementsysteme von Anfang an mitdenken, bieten höhere Margen und stabilere Betriebskosten für den Endkunden. Für Elektrobetriebe, die sich in diesem Feld positionieren, öffnet sich ein wachsendes Geschäftsfeld zwischen klassischer Installation und Energiedienstleistung.