Der Schweizer Markt für Elektroinstallation entwickelt sich Mitte 2026 entlang dreier Linien: verschärfte Energievorgaben, flächendeckender Rollout intelligenter Messsysteme und wachsende Integration dezentraler Erzeugung. Für Elektroinstallateure bedeutet das konkret mehr Projekte im Bereich Photovoltaikanlage-Anschluss, Smart Meter-Installation und Ladeinfrastruktur.

Regulatorik: MuKEn 2014 und Energiegesetz treiben Nachfrage

Die MuKEn 2014/2025 haben in den meisten Kantonen zur Pflicht für PV-Anlagen bei Neubauten oder umfassender Sanierung geführt. Das erhöht die Nachfrage nach fachgerechten DC- und AC-seitigen Installationen, Überspannungsschutz und korrektem Potenzialausgleich. Parallel dazu läuft der schrittweise Smart-Meter-Rollout: Bis Ende 2027 sollen 80 Prozent der Messstellen mit intelligenten Zählern ausgestattet sein. In der Praxis bedeutet das für viele Betriebe zusätzliche Aufträge für Zählertausch, Netzwerkkonfiguration und die Integration von Energiemanagementsystemen.

Anbieter und Produkte: Schweizer Traditionsmarken und internationale Anbieter

Auf dem Schweizer Installationsmarkt dominieren etablierte Anbieter. Die Feller AG aus Horgen bietet mit der EDIZIOdue-Serie Schalter und Steckdosen für private und gewerbliche Projekte. Hager Group ist mit Zählerschränken, Leitungsschutzschaltern und Fehlerstromschutzschaltern stark vertreten; das Univers-Z-Sortiment findet breite Anwendung in Mehrfamilienhäusern.

Internationale Hersteller wie ABB, Schneider Electric und Siemens liefern Schaltanlagen, Kleinverteiler und Überspannungsschutz. Busch-Jaeger positioniert sich mit KNX-Komponenten und Funk-Lösungen für Nachrüstungen, Gira und Jung setzen auf Design-Schalterserien mit Smart-Home-Integration. Bei Verbindungs- und Klemmentechnik sind WAGO Klemmtechnik und Phoenix Contact führend.

Smart-Meter-Rollout: Praxis-Implikationen für Installateure

Der Austausch mechanischer Ferraris-Zähler durch Smart Meters läuft seit 2020 und nimmt 2026 an Tempo zu. Für Elektroinstallateure ändert sich die Praxis: Neue Zähler benötigen Netzwerkanschluss – entweder per Powerline Communication (PLC) oder Mobilfunk. Viele Netzbetreiber verlangen zusätzlich die Installation eines Gateway im Zählerschrank, das Verbrauchsdaten verschlüsselt an den Messstellenbetreiber überträgt. Parallel steigt die Nachfrage nach Einspeisezählern für PV-Anlagen; hier müssen Installateure bidirektionale Zähler einsetzen und die korrekte Parametrierung sicherstellen.

PV-Integration und E-Mobility: Wachsende Komplexität der Hausinstallation

Die Zahl der PV-Anlagen im Einfamilienhaussegment wächst weiter. Installateure müssen AC- und DC-Verkabelung, Stringüberwachung, Wechselrichter-Anschluss und Energiespeicher-Anbindung koordinieren. Hinzu kommt die Ladeinfrastruktur: Wallbox-Installationen erfordern Lastmanagement, FI-Schutzschalter Typ B oder EV sowie oft Erweiterung des Hausanschlusses. Die Photovoltaik Schweiz Mitte 2026-Übersicht zeigt Details zu Förderung und Netzbetreiber-Anforderungen.

Gebäudeautomation: KNX gewinnt im Neubau, Funk im Bestand

Im Neubau setzen Planer und Installateure mehrheitlich auf KNX-Bus-Systeme für Beleuchtungs-, Heizungs- und Beschattungssteuerung. Busch-Jaeger und Gira bieten vollständige KNX-Portfolios mit Touch-Panels und App-Anbindung. Im Bestand dominieren Funk-Lösungen: Zigbee- und proprietary-Funk-Systeme lassen sich ohne Stemm­arbeiten nachrüsten. Der Trend zu hybriden Systemen – KNX-Backbone mit Funk-Endgeräten – nimmt zu.

Herausforderungen: Fachkräftemangel und Lieferketten

Der Fachkräftemangel bleibt die größte Herausforderung. Die Schweiz hat 2026 neue Berufsprüfungen für Solarfachleute eingeführt (siehe Artikel zur Berufsprüfung), um die Qualifikation zu sichern. Lieferzeiten für Schaltgeräte und Zählerschränke haben sich gegenüber 2023 normalisiert, liegen aber weiterhin bei 4 bis 8 Wochen für Sonderanfertigungen.

Ausblick: Mehr System-Integration, weniger Einzelgewerk

Der klassische Installationsauftrag wandelt sich: Elektroinstallateure übernehmen zunehmend die Rolle als Systemintegratoren, die PV, Speicher, Wallbox und Smart-Home-Steuerung zu einem funktionierenden Ganzen verbinden. Das erfordert Knowhow in IT-Netzwerken, Energiemanagement-Software und herstellerübergreifender Konfiguration. Wer diesen Schritt nicht mitgeht, verliert Marktanteile an spezialisierte Systemhäuser oder neue, vertikal integrierte Anbieter aus dem PV- und E-Mobility-Segment.

Für weitere Markteinordnungen siehe auch die Beiträge zu Elektroinstallation Deutschland Mitte 2026 und Gebäudeautomation in Österreich.