Ab dem 1. Januar 2026 treten in der Schweiz neue Prüfungsordnungen für Berufs- und Höhere Fachprüfungen im Elektrohandwerk in Kraft. Der Verband Schweizerischer Elektro-Installationsfirmen (VSEI) reagiert damit auf den steigenden Fachkräftebedarf bei der Installation und Wartung von Photovoltaikanlagen und Energiespeichern. Die Anpassung der Höheren Berufsbildung (HBB) läuft parallel zur Revision des Berufsbilds Gebäudeinformatiker/in EFZ.

Modulare Lehrgänge mit PV-Schwerpunkt

Die neuen Prüfungsordnungen erlauben es Elektroinstallateuren, sich gezielt für den wachsenden Solarmarkt zu qualifizieren. Modulkurse mit Schwerpunkt Photovoltaik und Speichertechnologie können künftig mit dem Eidgenössischen Fachausweis kombiniert werden. Das betrifft sowohl Installations- als auch Wartungskompetenzen. Electrosuisse bietet bereits seit längerem Kurse zu Photovoltaikanlagen und anderen Anlagen erneuerbarer Energien an, die sich auf Inspektion und Beratung konzentrieren. Diese werden nun in die neue Prüfungsstruktur integriert.

Qualifikationswege für bestehende Fachkräfte

Bestehende Elektrofachkräfte können über die neuen Modulkurse gezielt PV-Kompetenzen nachrüsten, ohne eine komplette Neuausbildung absolvieren zu müssen. Die modulare Struktur ermöglicht berufsbegleitende Weiterbildung. Das ist für Betriebe wichtig, die kurzfristig auf die steigende Nachfrage nach Solarinstallationen reagieren müssen. Die Kombination aus bestehender Elektroinstallations-Kompetenz und der neuen PV-Spezialisierung schafft Fachkräfte, die neben der DC-Verkabelung auch die Integration von Wechselrichtern und Energiemanagementsystemen beherrschen.

Einbettung in die Revision der Höheren Berufsbildung

Die PV-Offensive ist Teil einer umfassenden Überarbeitung der Höheren Berufsbildung im Elektrohandwerk. Der VSEI arbeitet derzeit an der Revision der HBB-Struktur, die auch das Berufsbild des Gebäudeinformatikers betrifft. Beide Revisionen laufen parallel, um Synergien zu nutzen. Die Schnittstelle zwischen klassischer Elektroinstallation, Gebäudeautomation und erneuerbaren Energien wird damit in der Ausbildungslandschaft klarer abgebildet. Das ist für Betriebe relevant, die neben gewerblichen PV-Projekten auch Smart-Building-Lösungen anbieten wollen.

Praxisrelevanz für Installationsbetriebe

Für Elektroinstallationsbetriebe bedeutet die neue Struktur konkrete Planungssicherheit bei der Mitarbeiterqualifikation. Wer heute Lehrlinge oder Gesellen auf PV spezialisieren will, kann ab 2026 auf standardisierte Prüfungsordnungen und anerkannte Fachausweise setzen. Das ist auch für Ausschreibungen relevant, bei denen Auftraggeber zunehmend PV-spezifische Nachweise verlangen. Die Modularisierung erlaubt es kleineren Betrieben, gezielt einzelne Mitarbeiter für Teilbereiche wie Dachmontage, elektrische Inbetriebnahme oder Wartung zu qualifizieren, ohne gleich das gesamte Team schulen zu müssen.

Marktsituation und Perspektiven

Die Schweizer Schulungsoffensive reagiert auf einen strukturellen Fachkräftemangel. Die Zahl der installierten Photovoltaikanlagen steigt kontinuierlich, während die Zahl qualifizierter Installateure nicht im gleichen Tempo mitwächst. Die neuen Prüfungsordnungen sollen diese Lücke schließen und gleichzeitig Qualitätsstandards sichern. Für Betriebe, die bisher hauptsächlich im Bereich klassischer Elektroinstallation tätig waren, eröffnet sich ein zusätzliches Geschäftsfeld. Die Kombination aus Neuinstallation, Wartung und Inspektion von Solaranlagen bietet langfristige Auftragsperspektiven. Ähnliche Entwicklungen sind auch in Deutschland und Österreich zu beobachten, wo ebenfalls an PV-spezifischen Qualifikationswegen gearbeitet wird.

Weitere Informationen zur Revision der Prüfungsordnungen stellt der VSEI auf seiner Bildungsseite bereit. Electrosuisse veröffentlicht das aktuelle Kursangebot unter electrosuisse.ch/bildung.