Der Schweizer Markt für Sicherheitstechnik steht Mitte 2026 vor einem strukturellen Wandel. Während klassische Zutrittskontrolle, Videoüberwachung und Einbruchmeldetechnik weiterhin das Kerngeschäft prägen, drängen zwei Entwicklungen in den Vordergrund: die nahtlose Integration in Gebäudeautomationssysteme und verschärfte Anforderungen an Datenschutz und Cybersicherheit. Für Elektroinstallateure verschiebt sich der Auftrag vom reinen Verkabeln zum Systemintegrator, der IP-basierte Infrastrukturen plant und absichert.
Smart-Building-Integration treibt Nachfrage
Die Vernetzung von Sicherheitstechnik mit KNX-Bus-Systemen und IP-basierten Steuerungen ist kein Nischenthema mehr. Schweizer Installateure berichten von einer steigenden Nachfrage nach Lösungen, die Zutrittskontrolle, Beleuchtung, Heizung und Alarm in einer Plattform bündeln. Feller AG, ein etablierter Player im Schweizer Markt, treibt diese Integration aktiv voran. Die Wiser-Plattform von Feller ermöglicht es, Bewegungsmelder, Türkontakte und Schaltaktoren in einer App zu steuern – ein Ansatz, der sich auch in anderen europäischen Märkten durchsetzt.
Die Konvergenz von Sicherheits- und Gebäudetechnik erfordert allerdings neue Kompetenzen. Installateure müssen Netzwerktopologien planen, VLANs segmentieren und Firewall-Regeln verstehen. Die klassische 230-V-Elektrik allein reicht nicht mehr aus, wenn Kameras, Türstationen und Alarmanlagen über Power-over-Ethernet versorgt werden und in bestehende IT-Infrastrukturen eingebunden sind.
Cyber-Sicherheit und Datenschutz als Hürden
Mit der zunehmenden IP-Vernetzung wächst die Angriffsfläche. Die Schweizer Datenschutzgesetzgebung stellt hohe Anforderungen an die lokale Speicherung von Videodaten, an Verschlüsselung und an die Dokumentation von Zugriffsrechten. Viele Anbieter reagieren mit On-Premise-Lösungen oder hybriden Architekturen, bei denen sensible Daten lokal verbleiben und nur Metadaten in die Cloud wandern.
Für Betreiber von Gewerbeobjekten und öffentlichen Gebäuden bedeutet das: Die Wahl der Sicherheitstechnik ist zunehmend eine IT-Compliance-Frage. Elektroinstallateure, die hier Beratungskompetenz aufbauen, können sich vom reinen Ausführungsbetrieb differenzieren. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Schulungen in Netzwerktechnik und Cybersecurity-Grundlagen – ein Feld, das bislang eher IT-Systemhäusern zugeschrieben wurde.
Etablierte Anbieter dominieren, Nischenplayer setzen auf Offenheit
Im Schweizer Markt sind weiterhin große Hersteller wie Siemens, Schneider Electric und ABB präsent, die Sicherheitstechnik als Bestandteil ihrer Gebäudeautomationsportfolios anbieten. ABB etwa bietet integrierte Lösungen für Zutrittskontrolle und Videoüberwachung, die in bestehende Leittechnik eingebunden werden können. Schneider Electric setzt auf Cloud-gestützte Plattformen für das Management von Alarmanlagen und Kameras.
Parallel dazu gewinnen Anbieter an Boden, die auf offene Protokolle und Interoperabilität setzen. Gerade in Retrofit-Projekten, wo Bestandsanlagen schrittweise erweitert werden, sind proprietäre Systeme oft ein Hindernis. Installateure bevorzugen Lösungen, die mit bestehenden MuKEn-konformen Gebäudeautomationssystemen kommunizieren können, ohne Hersteller-Lock-in.
Regulatorik: Keine großen Neuerungen, aber Vollzugsdruck
Auf regulatorischer Ebene gab es in den letzten Monaten keine grundlegenden Änderungen spezifisch für Sicherheitstechnik. Allerdings verschärfen Kantone den Vollzug bestehender Vorschriften, etwa bei der Dokumentation von Brandmeldeanlagen und bei der Einhaltung von Datenschutzauflagen bei Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Die Verpflichtung zur DSGVO-konformen Datenverarbeitung gilt auch für schweizerische Anlagen, sobald Daten in EU-Clouds gespeichert oder von EU-Bürgern erfasst werden.
Parallel dazu treibt die Energieeffizienz-Diskussion die Nachfrage nach intelligenten Steuerungen: Gebäude, die Energiemanagementsysteme einsetzen, integrieren zunehmend Präsenzmelder und Tür-/Fensterkontakte, um Heizung, Lüftung und Beleuchtung bedarfsgerecht zu steuern. Hier verschmelzen Sicherheitstechnik und Energiemanagement – ein Trend, der sich auch in anderen Märkten beobachten lässt, etwa in Deutschland.
Ausblick: Fachkräfte gesucht, Schulungsbedarf steigt
Die Branche kämpft mit Fachkräftemangel. Die Anforderungen an Installateure steigen, während die Ausbildung noch stark auf klassische Elektrotechnik fokussiert ist. Verbände und Hersteller reagieren mit erweiterten Schulungsangeboten, die Netzwerktechnik, IP-Konfiguration und Smart-Building-Integration abdecken. Wer heute in Sicherheitstechnik investiert, muss auch in Weiterbildung investieren – sonst droht der Verlust von Aufträgen an spezialisierte IT-Systemhäuser, die sich zunehmend in den Markt drängen.
Für Betreiber und Planer bedeutet das: Die Wahl des Installateurs wird zur strategischen Entscheidung. Projekte, die Sicherheitstechnik, Gebäudeautomation und Energiemanagement integrieren, erfordern Partner, die über den Tellerrand der klassischen Elektrik hinausblicken. Der Schweizer Markt bewegt sich hier im europäischen Mittelfeld – weder Vorreiter noch Nachzügler, aber klar im Wandel.