Der Schweizer Smart-Home-Markt zeigt Mitte 2026 ein geteiltes Bild. Im Neubau setzen Planer und Bauherren verstärkt auf kabelgebundene Systeme wie KNX-Bus, während im Bestand Funk-Protokolle wie Zigbee und Thread dominieren. Die kantonale Regulierungsvielfalt bleibt eine Herausforderung für flächendeckende Lösungen.

Neubau: KNX als De-facto-Standard im Mehrfamilienhaus

In Neubauprojekten ab vier Wohneinheiten wird KNX zunehmend zur Pflichtausstattung – nicht durch gesetzliche Vorgaben, sondern durch Minergie- und SNBS-Zertifizierungen, die eine zentrale Steuerung von Heizung, Lüftung und Beleuchtung voraussetzen. Feller AG aus Horgen meldet für das erste Halbjahr 2026 einen zweistelligen Umsatzzuwachs bei KNX-Komponenten im Geschosswohnungsbau. Das Unternehmen profitiert dabei von der Tatsache, dass viele Architekten und Elektroplanungsbüros auf bewährte Schweizer Fabrikate setzen.

Ein weiterer Treiber: Die MuKEn 2014/2025 – Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich – verlangen in allen Kantonen, die das Regelwerk übernommen haben, die Erfassung und Optimierung des Energieverbrauchs. Das bedeutet in der Praxis: Ohne zentrale Gebäudeautomation lassen sich die Auflagen kaum erfüllen. Hager Group und ABB bieten deshalb vermehrt Komplettpakete an, die neben der Elektroverteilung auch die Steuerung von Energiemanagementsystemen und PV-Anlagen integrieren.

Bestand: Funk-Nachrüstung boomt in Einfamilienhäusern

Anders sieht es im Bestandsbau aus. Hier dominieren drahtlose Systeme, die ohne Stemmarbeiten auskommen. Vor allem in Einfamilienhäusern steigt die Nachfrage nach Lösungen, die Heizungssteuerung, Beleuchtung und Rollläden verbinden – oft in Kombination mit einer Photovoltaikanlage und einem Energiespeicher. Die Schweizer Installationsbetriebe setzen dabei verstärkt auf Matter-kompatible Produkte, die sich herstellerübergreifend einbinden lassen.

Schneider Electric hat im Frühjahr 2026 seine Wiser-Plattform um eine Matter-Bridge erweitert, Gira und Jung bieten entsprechende Schnittstellen für ihre Schalterserien an. Für Elektroinstallateure bedeutet das: Weniger Schulungsaufwand, flexiblere Projektierung und geringere Lagerhaltung, weil sich Komponenten verschiedener Hersteller kombinieren lassen.

Photovoltaik und E-Mobilität als Integration-Treiber

Ein zentraler Impuls für Smart-Home-Systeme kommt aus der Photovoltaik & Speicher-Branche. Die Pronovo KEV/Einmalvergütung hat Mitte 2026 zu einer anhaltend hohen Nachfrage nach PV-Anlagen im Kleinleistungsbereich geführt. Viele Betreiber wollen den Eigenverbrauch maximieren – und das gelingt nur mit intelligenter Laststeuerung. Systeme, die Überschussstrom bevorzugt in Boiler, Wärmepumpe oder Wallbox leiten, sind deshalb gefragt. SolarEdge und Feller bieten dafür offene Schnittstellen, die sich in bestehende Smart-Home-Infrastrukturen einfügen.

Auch die E-Mobilität verstärkt diesen Trend. Immer mehr Einfamilienhausbesitzer installieren eine Wallbox und wollen deren Ladevorgang in die Hausautomation einbinden. Die Verknüpfung von PV-Überschussladen mit dynamischen Stromtarifen wird dabei zunehmend zum Standard. KEBA Energy Automation aus Linz bietet seit Anfang 2026 eine Wallbox-Generation, die sich direkt per Modbus in gängige Gebäudeautomations-Systeme integriert – ein Beispiel dafür, wie E-Mobilität und Gebäudetechnik verschmelzen.

Herausforderungen: Kantonale Fragmentierung und Datenschutz

Trotz der positiven Marktentwicklung bleiben strukturelle Hürden. Die MuKEn sind Mustervorschriften – die Umsetzung obliegt den Kantonen. Das führt zu unterschiedlichen Anforderungen an Messkonzepte, Visualisierung und Datenerfassung. Für überregional tätige Installationsbetriebe bedeutet das zusätzlichen Planungsaufwand.

Zudem bleibt das Thema Datenschutz sensibel. Schweizer Endkunden sind skeptisch gegenüber Cloud-basierten Lösungen, die Verbrauchsdaten außerhalb der Schweiz speichern. Hersteller reagieren darauf mit On-Premise-Gateways und lokaler Datenverarbeitung. Die Anforderungen der revidierten Datenschutzgesetzgebung (revDSG) verschärfen diese Erwartung zusätzlich.

Ausblick: Integration statt Insellösungen

Der Schweizer Smart-Home-Markt reift. Während vor wenigen Jahren Einzellösungen – etwa für Beleuchtung oder Heizung – überwogen, setzen Endkunden und Planer heute auf ganzheitliche Systeme, die Energieerzeugung, Speicherung, Verbrauch und Mobilität verbinden. Die Entwicklung in Deutschland zeigt ähnliche Tendenzen: LED-Reife und smarte Vernetzung gehen Hand in Hand.

Für Elektroinstallateure bedeutet das: Wer künftig im Smart-Home-Segment erfolgreich sein will, muss Kompetenzen in Gebäudeautomation, PV-Integration und E-Mobilität bündeln – oder mit spezialisierten Partnern zusammenarbeiten. Die klassische Elektroinstallation wird zur Systemintegration.