Die WSW mobil GmbH – die Energiesparte der Wuppertaler Stadtwerke – vermarktet seit Anfang 2026 drei spezialisierte Tarife für den Betrieb von Wärmepumpen. Steuerbare Anlagen mit separatem Zähler erhalten beim Modul 2 eine Reduktion des Netznutzungs-Arbeitspreises auf 40 Prozent. Damit entfällt zudem der Grundpreis für die Netznutzung auf diesem zweiten Zähler vollständig. Die Tarife setzen auf unterschiedliche Messkonzepte und Steuerbarkeit und richten sich an Neuanlagen ab 2024 sowie Bestandsanlagen mit älteren Zählerstrukturen.

Drei Module für unterschiedliche Messtopologien

Das Modul 1 richtet sich an steuerbare Wärmepumpen mit Ein- oder Zwei-Zähler-Messung, die nach dem 1. Januar 2024 in Betrieb genommen oder auf steuerbar umgerüstet wurden. Kunden erhalten eine pauschale Entlastung von bis zu 137,12 Euro brutto pro Jahr. Die volle Pauschale greift allerdings nur dann, wenn die Netznutzungskosten mindestens diese Höhe erreichen. Liegen sie darunter, wird nur der tatsächliche Betrag erstattet. Bei gemeinsamer Messung beträgt der Arbeitspreis 32,84 Cent/kWh brutto, bei getrennter Messung sinkt er auf 28,95 Cent/kWh brutto. Der Grundpreis liegt jeweils bei 236,23 Euro brutto jährlich.

Modul 2 setzt getrennte Messung und Steuerbarkeit voraus. Hier sinkt der Arbeitspreis auf 24,38 Cent/kWh brutto, der Grundpreis auf 159 Euro jährlich. Zusätzlich entfallen gemäß Smart Meter-Vorgaben die KWK-Umlage und die Offshore-Netzumlage vollständig – diese Entlastung nach § 22 Energiefinanzierungsgesetz ist laut WSW an einen gesonderten Zählpunkt gebunden. Für Elektriker bedeutet das: Wer heute eine neue Wärmepumpe installiert, sollte frühzeitig prüfen, ob die Anlage steuerbar ausgeführt wird und ob ein zweiter Zähler sinnvoll ist. Die Differenz zwischen Modul 1 und Modul 2 liegt bei einem angenommenen Verbrauch von 5.000 kWh im Jahr bei rund 230 Euro brutto.

Bestandsanlagen mit Doppeltarifzähler: HT/NT-Tarif

Für nicht steuerbare Wärmepumpen, die vor dem 1. Januar 2024 in Betrieb gingen, bietet die WSW den Tarif "Strom Wärmepumpe HT/NT" an. Voraussetzung ist ein Doppeltarifzähler mit zwei Zählwerken für Hochtarif (HT) und Niedertarif (NT). In den Niedertarifzeiten des Netzbetreibers greift ein vergünstigter Arbeitspreis. Dieser Tarif ist monatlich kündbar und läuft unbefristet. Eine Umrüstung auf steuerbar ist auch für Bestandskunden möglich, erfordert jedoch technische Anpassungen durch einen Installateur und die Eintragung bei der WSW Netz GmbH. Das Kundencenter Netze der WSW Netz ist montags bis donnerstags von 8 bis 15:30 Uhr und freitags bis 14 Uhr erreichbar.

Steuerbarkeit als Voraussetzung: Was Elektriker wissen müssen

Steuerbarkeit bedeutet im Kontext der WSW-Tarife, dass der Netzbetreiber die Wärmepumpe bei Netzengpässen temporär dimmen kann. Für Installateure ergeben sich daraus klare Anforderungen:

  • Installation eines steuerbaren Übergabepunkts oder Rundsteuerempfängers
  • Eintragung der steuerbaren Anlage bei der WSW Netz GmbH
  • Entscheidung über Ein- oder Zwei-Zähler-Messung bereits in der Planungsphase
  • Dokumentation der Inbetriebnahme nach dem 1. Januar 2024 für den Zugang zu Modul 1 oder 2

Die WSW weist darauf hin, dass bei gemeinsamer Messung von Haushaltsstrom und Wärmepumpe über einen Zähler beide Verbräuche zusammengefasst abgerechnet werden. Der Arbeitspreis für Modul 1 bei gemeinsamer Messung liegt bei 32,84 Cent/kWh brutto – deutlich über dem Modul-2-Tarif mit 24,38 Cent/kWh. Für Neubauprojekte oder Sanierungen empfiehlt sich daher die Installation eines zweiten Zählers, wenn die Wärmepumpe steuerbar ausgeführt wird. Die Mehrkosten für den zweiten Zählpunkt amortisieren sich bei einem typischen Wärmepumpenverbrauch von 4.000 bis 6.000 kWh pro Jahr innerhalb weniger Jahre.

Ökostrom-Option und Neukundenbonus

Alle drei Tarife lassen sich optional mit 100 Prozent Ökostrom kombinieren. Die Zusatzvereinbarung "WSW Strom Grün" kostet laut Anbieter einen Aufpreis, dessen Höhe im Quellmaterial nicht beziffert wird. Neu- und Bestandskunden erhalten einen Bonus von 15 Prozent, der als "Neukunden- oder Wupperbonus" ausgewiesen wird. Die Tarife sind außerhalb der Grundversorgung angesiedelt, laufen unbefristet und sind monatlich kündbar. Das gibt Elektroinstallateuren Planungssicherheit, wenn sie ihren Kunden eine langfristige Kostenprognose für den Wärmepumpenbetrieb erstellen wollen.

Verbrauch und Effizienz: 3.000 bis 6.000 kWh im Jahr

Laut WSW liegt der durchschnittliche Stromverbrauch einer Wärmepumpe zwischen 3.000 und 6.000 kWh jährlich. Die tatsächliche Menge hängt von Gebäudedämmung, Heizverhalten und Größe des beheizten Objekts ab. Eine gut gedämmte Bestandsimmobilie mit 150 Quadratmetern Wohnfläche bewegt sich eher am unteren Ende der Spanne, ein Altbau mit schlechter Dämmung am oberen. Für die Tarifauswahl ist diese Bandbreite relevant: Bei 3.000 kWh Jahresverbrauch beträgt die Differenz zwischen Modul 1 (gemeinsame Messung) und Modul 2 rund 254 Euro brutto pro Jahr. Bei 6.000 kWh steigt sie auf über 500 Euro.

Die WSW betont, dass Wärmepumpen mehr Energie aus der Umwelt ziehen, als sie Strom benötigen. Typische Jahresarbeitszahlen moderner Luft- oder Erdwärmepumpen liegen zwischen 3,5 und 4,5 – das bedeutet, dass pro eingesetzter Kilowattstunde Strom 3,5 bis 4,5 kWh Wärme erzeugt werden. Für Elektriker, die ihre Kunden bei der Auswahl zwischen Gas- und Stromheizung beraten, ist dieser Wirkungsgrad ein zentrales Argument. Kombiniert mit einem günstigen Wärmepumpentarif sinken die Betriebskosten im Vergleich zu fossilen Heizsystemen deutlich.

Einordnung: Wärmepumpen-Tarife als Geschäftsfeld für Stadtwerke

Die WSW mobil ist nicht das einzige Stadtwerk, das spezialisierte Tarife für steuerbare Verbrauchseinrichtungen anbietet. Viele regionale Energieversorger reagieren mit ähnlichen Modellen auf die steigende Zahl an Wärmepumpen-Installationen und die gesetzlichen Vorgaben zur Netzentlastung. Die Differenzierung nach Steuerbarkeit und Messtopologie entspricht den Vorgaben des Energiefinanzierungsgesetzes, das Netzbetreiber zur Integration steuerbarer Lasten verpflichtet. Für Elektriker bedeutet das: Wer heute eine Wärmepumpe plant, sollte die Steuerbarkeit und den zweiten Zähler von Anfang an einkalkulieren – sonst bleiben Kunden erhebliche Einsparungen verwehrt.

Die WSW-Tarife bieten eine transparente Preisstruktur mit klaren Entlastungsstufen. Für die Installation von Energiemanagementsystemen in Kombination mit Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen ergeben sich interessante Synergien: Wer den selbst erzeugten Solarstrom bevorzugt für die Wärmepumpe nutzt, senkt den Netzbezug weiter. Artikel wie Solarwatt und BMW vertiefen Partnerschaft für Vehicle-to-Home-Integration zeigen, wie sich Wärmepumpen, PV-Anlagen und Elektromobilität zu einem integrierten System verbinden lassen. Auch die vorkonfektionierten Lösungen für §14a EnWG verdeutlichen, dass steuerbare Verbrauchseinrichtungen im Niederspannungsnetz künftig zum Standard gehören.

Weitere Informationen und Tarifrechner stehen auf der Website der WSW unter wsw-online.de zur Verfügung. Für technische Rückfragen zur Steuerbarkeit und Zählerkonzepten ist das Kundencenter Netze der WSW Netz GmbH zuständig.

Quellen