Der Schweizer Photovoltaik-Hersteller Megasol Energie bringt mit dem WingPort einen Solar-Carport auf den Markt, der Überdachung und Stromerzeugung kombiniert. Das System richtet sich an Privathaushalte, Gewerbebetriebe und Kommunen, die Parkflächen zur dezentralen Energieerzeugung nutzen wollen. Die zunehmende Verbreitung von Elektrofahrzeugen und steigende Energiepreise machen solche Lösungen für immer mehr Betreiber interessant.
Technischer Aufbau und Leistungsdaten
Der WingPort basiert auf einer vorgefertigten Aluminium-Tragstruktur mit integrierten PV-Modulen. Die Konstruktion soll nach Herstellerangaben wetterbeständig sein und Fahrzeuge vor Regen, Schnee und direkter Sonneneinstrahlung schützen. Die Photovoltaikanlage ist dabei vollständig in das Trägersystem integriert – eine Bauweise, die Montageaufwand reduziert und optisch zurückhaltender wirkt als nachträglich aufgeständerte Module.
Die PV-Module nutzen Megasols HiR-Zelltechnologie, die laut Unternehmen höhere Wirkungsgrade bei diffusem Licht erzielen soll. Details zur konkreten Leistung je Stellplatz nennt das Datenblatt nicht, übliche Solar-Carports in dieser Bauklasse liefern zwischen 2 und 4 kWp pro Fahrzeugstellplatz. Der erzeugte Gleichstrom wird über einen Wechselrichter ins Hausnetz oder ins öffentliche Netz eingespeist.
Anwendungsfälle: Eigenverbrauch und Ladeinfrastruktur
Für Privathaushalte liegt der Hauptnutzen in der Kombination aus Fahrzeugschutz und Eigenstromproduktion. Wer ein Elektrofahrzeug besitzt, kann den Carport-Strom direkt für die Ladung nutzen – sofern ein Energiemanagementsystem die Lastverteilung steuert. Der solare Überschuss lässt sich entweder in einem Energiespeicher zwischenspeichern oder ins Netz einspeisen. Gerade in der Schweiz, wo die Einmalvergütung für neue Photovoltaikanlagen über Pronovo geregelt ist, kann sich eine solche Investition rechnen, wenn der Eigenverbrauchsanteil hoch ist.
Gewerbebetriebe mit Firmenparkplätzen profitieren von der doppelten Flächennutzung: Parkraum bleibt erhalten, die Dachfläche wird zur Stromerzeugung genutzt. Besonders interessant wird das für Unternehmen, die eine eigene Ladeinfrastruktur für Mitarbeiter oder Fuhrpark aufbauen wollen. Die Kombination aus Solar-Carport und Wallboxen senkt die Strombezugskosten und verbessert die CO₂-Bilanz – ein Aspekt, der bei öffentlichen Ausschreibungen oder Nachhaltigkeitsberichten zunehmend relevant wird. Mehr zur Umweltbilanz von PV-Anlagen lesen Sie in unserem Beitrag CO₂-Fußabdruck von PV-Anlagen: Wann rechnet sich die Umweltbilanz?.
Kommunen setzen Solar-Carports vor allem auf öffentlichen Parkplätzen, an Bahnhöfen oder Schulen ein. Hier geht es neben der Stromerzeugung oft um Sichtbarkeit: Ein Solar-Carport signalisiert Klimaschutz-Engagement und kann Fördermittel erschließen. Zudem lässt sich die Infrastruktur für öffentliches Laden erweitern, was die Attraktivität von Park-and-Ride-Anlagen erhöht.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Ob sich der WingPort rechnet, hängt von mehreren Faktoren ab: Investitionskosten, Eigenverbrauchsquote, Strompreis, Fördermittel und Nutzungsdauer. Konkrete Preise für das Megasol-System liegen nicht vor, vergleichbare Solar-Carports für Privathaushalte starten ab etwa 15.000 bis 20.000 Euro für einen Doppelstellplatz. Gewerbliche Anlagen mit mehreren Stellplätzen profitieren von Skaleneffekten, hier sinken die Kosten pro kWp installierter Leistung.
Entscheidend für die Amortisation ist der Eigenverbrauch. Wer tagsüber Strom für Gewerbe oder Wärmepumpe benötigt oder ein Elektrofahrzeug lädt, erreicht Eigenverbrauchsquoten von 40 bis 60 Prozent. Bei reiner Netzeinspeisung sind die Erlöse über die Einspeisevergütung deutlich niedriger. In der Schweiz liegt die aktuelle Vergütung je nach Anlagengröße und Zeitpunkt der Inbetriebnahme zwischen 7 und 15 Rappen pro kWh – deutlich unter den Haushaltsstrompreisen von 20 bis 30 Rappen.
Förderprogramme verbessern die Wirtschaftlichkeit erheblich. Die Schweizer Einmalvergütung deckt je nach Anlagengröße bis zu 30 Prozent der Investitionskosten ab. In Deutschland gibt es regionale Programme, die PV-Anlagen mit Ladeinfrastruktur bezuschussen. Österreich fördert über klimaaktiv Photovoltaik- und E-Mobilitätsprojekte. Unternehmen sollten zudem steuerliche Abschreibungen und bilanzielle Effekte prüfen.
Integration in bestehende Systeme
Der WingPort lässt sich laut Megasol in bestehende Gebäudeinstallationen integrieren. Voraussetzung ist ein passender Wechselrichter und eine Zählerinfrastruktur, die Erzeugung, Verbrauch und Einspeisung erfasst. Wer den Carport-Strom gezielt für das Laden von Elektrofahrzeugen nutzen will, benötigt ein Lastmanagement-System, das die verfügbare PV-Leistung auf die Wallboxen verteilt. Praktische Hinweise dazu bietet unser Artikel Lastmanagement bei E-Mobilität: Neue Praxis-Orientierung für Installateure.
Für Installateure ist die Verkabelung zwischen Carport, Wechselrichter und Hausanschluss eine zusätzliche Baustelle. Je nach Standort müssen Erdkabel verlegt, Leerrohre nachgerüstet oder separate Unterverteilungen installiert werden. Die elektrische Anbindung folgt den üblichen Normen für PV-Anlagen, inklusive Überspannungsschutz, DC-Freischalter und Netzüberwachung.
Marktumfeld: Wachstum bei Solar-Carports
Solar-Carports sind kein Nischenprodukt mehr. Hersteller wie SolarEdge bieten Komplettsysteme mit integriertem Lademanagement an, mehrere deutsche und Schweizer Anbieter haben vorgefertigte Carport-Systeme im Portfolio. Der Trend wird durch gesetzliche Vorgaben verstärkt: In einigen deutschen Bundesländern müssen größere Parkplätze künftig mit PV überdacht werden, in Frankreich gilt seit 2023 eine Pflicht für Parkplätze ab 1.500 Quadratmetern.
Megasol positioniert sich mit dem WingPort im mittleren Preissegment. Das Unternehmen setzt auf die eigene HiR-Zelltechnologie, die in der Schweiz produziert wird. Mehr dazu lesen Sie in unserem Hintergrundartikel Megasol bewirbt HiR-Zelltechnologie: Was steckt hinter dem Schweizer PV-Ansatz?.
Wann lohnt sich die Investition?
Der WingPort rechnet sich vor allem dort, wo drei Bedingungen zusammenkommen: hoher Strombedarf tagsüber, Bedarf an Fahrzeugschutz und verfügbare Stellfläche ohne Verschattung. Für Privathaushalte mit Elektroauto und hohem Eigenverbrauch kann die Amortisationszeit bei 10 bis 15 Jahren liegen. Gewerbebetriebe erreichen kürzere Zeiträume, wenn sie den Strom direkt im Betrieb nutzen oder für Ladepunkte einsetzen. Kommunen müssen neben der Wirtschaftlichkeit auch den Imagegewinn und mögliche Synergien mit Klimaschutzzielen bewerten.
Wer eine Anschaffung erwägt, sollte eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnung durchführen, Fördermittel prüfen und die Dimensionierung von Wechselrichter, Speicher und Ladeinfrastruktur genau planen. Installateure können hier beratend unterstützen und realistische Szenarien für Eigenverbrauch und Einspeisung durchrechnen.