Der Autozulieferer Webasto stemmt derzeit eine der größten strategischen Neuausrichtungen seiner Unternehmensgeschichte – und muss dabei gegen widrige Marktbedingungen ankämpfen. Das auf Dachsysteme und Heiztechnik spezialisierte Unternehmen will sich stärker im Bereich Elektromobilität positionieren, doch schwache Automobilkonjunktur und eine stockende E-Fahrzeug-Nachfrage erschweren den Umbau erheblich.
Webasto hatte in den vergangenen Jahren massiv in E-Mobility-Lösungen investiert, darunter Ladetechnik und Batteriesysteme. Die strategische Wende sollte das Unternehmen unabhängiger von der klassischen Verbrenner-Zulieferung machen. Doch die Elektromobilitätsflaute trifft den Zulieferer zur Unzeit: Die Nachfrage nach E-Fahrzeugen stagniert in wichtigen Märkten, während gleichzeitig die Entwicklungskosten für neue Technologien hoch bleiben.
Besonders herausfordernd ist die Situation im Bereich Ladeinfrastruktur. Während Wallbox-Hersteller wie Wallbox oder KEBA bereits Konsolidierungsdruck spüren, muss sich auch Webasto in einem zunehmend umkämpften Markt behaupten. Der Wettbewerb um Großaufträge verschärft sich, während die Margen sinken. Andere Akteure wie Amperfied sichern sich Großaufträge und setzen etablierte Anbieter unter Druck.
Hinzu kommt der generelle Kostendruck in der Automobilzulieferindustrie. Hersteller verlangen niedrigere Preise, während Material- und Energiekosten hoch bleiben. Für Webasto bedeutet das: Der Umbau muss bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung gelingen – ein Spagat, der viele Zulieferer an ihre Grenzen bringt.
Die Herausforderungen betreffen auch das Installationsgeschäft. Elektrofachbetriebe, die Energiemanagementsysteme und Ladeinfrastruktur planen, sind auf stabile Lieferketten und verlässliche Produktportfolios angewiesen. Wenn große Zulieferer wie Webasto unter Druck geraten, kann das Auswirkungen auf Verfügbarkeit und Preise haben.
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen hält Webasto an seiner Transformationsstrategie fest. Das Unternehmen hat in seiner 125-jährigen Geschichte bereits mehrere technologische Umbrüche gemeistert. Ob der aktuelle Umbau gelingt, wird aber maßgeblich davon abhängen, wie schnell sich die E-Mobilitätsmärkte erholen und ob neue Förderimpulse die Nachfrage stabilisieren.
Für die Elektrobranche bleibt die Entwicklung bei Webasto ein Indikator für die Gesundheit des gesamten E-Mobility-Ökosystems. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob der Zulieferer den Kraftakt erfolgreich stemmen kann.

