Die Feller AG bewirbt ihr Smart-Home-System Wiser by Feller als Plattform für „digitale Elektroinstallation". Hinter dem Marketingbegriff steckt eine strategische Neuausrichtung des Schweizer Traditionsherstellers: Weg von reinen Schalterprogrammen, hin zu vernetzten Gebäudelösungen. Doch wie reif ist der Markt tatsächlich – und wer sind die echten Konkurrenten?
Wiser-Plattform: Mehr als nur Schalter und Steckdosen
Das System Wiser by Feller verbindet klassische Installationskomponenten mit digitaler Steuerung. Elektriker installieren dabei konventionelle Schalterprogramme, die über ein Gateway mit der Wiser-App vernetzt werden. Die Plattform ermöglicht Licht-, Jalousie- und Heizungssteuerung sowie Energiemonitoring. Anders als bei reinen Smart-Home-Nachrüstlösungen erfolgt die Integration direkt in die Elektroinstallation.
Für Feller ist diese Positionierung ein Balanceakt: Das Unternehmen muss Elektriker als Kernzielgruppe mitnehmen, die oft skeptisch gegenüber App-basierten Systemen sind. Gleichzeitig soll die Plattform Endkunden ansprechen, die Komfort und Energieeffizienz erwarten. Der Erfolg hängt davon ab, ob die Installation für Fachbetriebe praktikabel bleibt – und ob Bauherren den Mehrwert sehen.
Marktumfeld: Zwischen KNX-Bus und Consumer-Smart-Home
Die digitale Elektroinstallation bewegt sich in einem Spannungsfeld. Auf der einen Seite steht der KNX-Bus, der im gewerblichen Bau und bei anspruchsvollen Wohnprojekten Standard ist. KNX bietet Herstellerunabhängigkeit und ist seit Jahrzehnten etabliert. Auf der anderen Seite drängen Consumer-Systeme wie Philips Hue, Homematic oder Shelly in den Markt – oft ohne Elektriker, als Nachrüstlösung für Endkunden.
Wiser by Feller positioniert sich dazwischen: Einfacher zu installieren als KNX, aber herstellergebunden. Professioneller als Consumer-Smart-Home, aber ohne die Offenheit von KNX. Diese Nische ist umkämpft. Gira, Jung und Busch-Jaeger bieten mit Gira X1, Jung Home und Busch-free@home ähnliche Ansätze. Auch Hager Group und Schneider Electric haben mit Coviva und Wiser Home eigene Plattformen am Start.
Wachstum durch Neubau und Sanierung?
Der Erfolg digitaler Elektroinstallation hängt stark von der Baukonjunktur ab. In der Schweiz zeigt sich der Markt zweigeteilt: Im Neubau wächst die Nachfrage nach Smart-Home-Integration, getrieben durch Energieeffizienz-Anforderungen und Komfortwünsche. Im Bestand bleibt die Durchdringung gering – Nachrüstungen sind aufwendig und teuer. Elektriker berichten, dass Bauherren oft erst bei der Schlussabnahme nach Steuerungsmöglichkeiten fragen, wenn die Installation bereits abgeschlossen ist.
Feller hat hier einen Heimvorteil: Das Unternehmen ist in der Schweiz mit seinen Schalterprogrammen tief im Elektrohandwerk verankert. Wer ohnehin Feller-Schalter verbaut, kann mit Wiser eine digitale Ebene hinzufügen – ohne das gewohnte Installationskonzept grundlegend zu ändern. Ob das ausreicht, um sich gegen internationale Wettbewerber durchzusetzen, ist offen.
Energiemanagement als Treiber
Ein Wachstumstreiber für Wiser könnte das Energiemanagement sein. Mit steigenden PV-Installationen und E-Ladepunkten wächst der Bedarf an intelligenter Steuerung. Elektriker, die heute Photovoltaikanlagen und Wallboxen installieren, brauchen Lösungen für Lastmanagement und Eigenverbrauchsoptimierung.
Hier bietet Wiser Potenzial: Die Plattform kann Verbrauchsdaten visualisieren und Lasten steuern. Ob das für anspruchsvolle Anwendungen ausreicht, bleibt abzuwarten. Spezialisierte Energiemanagementsysteme wie SolarEdge oder Fronius bieten tiefere Integration mit Wechselrichtern und Energiespeichern. Feller muss zeigen, dass Wiser mehr ist als eine Komfort-App – und echten Mehrwert für Energieeffizienz liefert.
Wettbewerb: Wer setzt sich durch?
Der Markt für digitale Elektroinstallation ist fragmentiert. Keiner der Anbieter hat bislang eine dominante Position erreicht. KNX bleibt im Premiumsegment gesetzt, während Consumer-Systeme im Einstiegsbereich punkten. Dazwischen kämpfen zahlreiche Hersteller um Marktanteile – mit unterschiedlichen Strategien.
Schneider Electric setzt auf Skalierung und hat Wiser Home europaweit ausgerollt. Gira und Jung punkten mit Premium-Design und hoher Fertigungstiefe. Hager integriert Gebäudeautomation eng mit Schaltschrank-Komponenten. Feller muss sich entscheiden: Bleibt das Unternehmen auf den Schweizer Markt fokussiert – oder wagt es den Schritt in internationale Märkte?
Offene Fragen zur Marktreife
Trotz aller Fortschritte bleibt die Frage: Ist der Markt für digitale Elektroinstallation wirklich reif? Viele Elektriker sehen den Mehraufwand kritisch, solange Bauherren nicht bereit sind, dafür zu zahlen. Endkunden wiederum scheuen oft die Komplexität und fürchten Herstellerbindung. Die Smart-Home-Durchdringung in der Schweiz bleibt überschaubar.
Feller setzt mit Wiser auf eine Wachstumswette. Das System ist technisch ausgereift und im Elektrohandwerk akzeptiert. Ob daraus echter Markterfolg wird, hängt davon ab, ob digitale Elektroinstallation zum Standard wird – oder Nische bleibt. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich das Geschäftsmodell trägt. Einen Artikel zu weiteren Produktinnovationen von Feller finden Sie hier.